April
Wannabes
PROGRAMM-ÜBERSICHT:
So.
03. April,
19.30 | Exit
through the gift shop |
2009, Banksy
So.
10. April, 19.30 |
Drop
Dead Gorgeous |
1999, Michael Patrick Jann
So.
17. April, 19.30 | Sweet
and Lowdown|
1999, Woody
Allen
So.
24. April, 19.30 | District
9 |
2009, Neill
Blomkamp
Wannabes
Ein Wannabe ist jemand, der vorgibt etwas zu sein, was er nicht ist.
Manchmal bestimmt genau diese Art von Täuschmanöver den Charakter
des Wannabes. Die Wannabes der Filmgeschichte sind die „Mockumentaries“.
Sie hinterfragen die für Neutralität und Echtheit stehenden
Dokumentarfilme und kümmern sich nicht um die Regeln des Genres,
sondern verdrehen diese geschickt. Sie spielen gekonnt mit dem Typus
des Dokumentarfilms und sind dabei als neues Genre – als Mockumentaries
–
in die Filmgeschichte eingegangen. Jeder der gezeigten Filme steht für
sich allein, entwickelt seinen eigenen Stil von Mockumentary und macht
sich die Themen oder Eigenheiten des Dokumentarfilms in vielfältiger
Weise zu Nutzen. So, dass die Wirkung etwa ins satirisch-komische abdriftet
oder dass hinter den teilweise bewusst läppisch inszenierten und
überdrehten Dokumentarfilmstilen doch noch so etwas wie eine Wahrheit
auftaucht.
Banksy spielt in „Exit through the gift shop“ seine Trümpfe
geschickt aus. In seinem Verwirrspiel um Dokumentarfilme und „echtes“
Footage-Material inszeniert und hinterfragt er genau jene philosophische
Grundfrage nach der Wichtigkeit des hochdotierten Originals, durch welche
die Kunstszene seit jeher dominiert wird. In „Drop Dead Gorgeous“
wird dem amerikanischen Traum in einer derart überspitzten Art
und Weise nachgeeifert, dass die Schönheitsheldinnen und ihr Konkurrenzkampf
zum bitterbösen gesellschaftlichen Zerrbild werden. Ein Meister
des Mockumentary ist Woody Allen. Seine Fake-Charaktere bringen in den
„falschen“ Dokumentarfilmen genau das auf den Punkt, was
in „echten“ Dokumentarfilmen im besten Fall zwischen den
Zeilen gelesen werden kann. Sein Charakter Emmet Ray, selbstverliebter
Jazzgitarrist in der Komödie „Sweet and Lowdown“, inszeniert
sich als kongenialer Musiker, der jedoch tragischerweise zu keinen tieferen
Gefühlen fähig zu sein scheint. Den Abschluss im April macht
der als Dokumentarfilm inszenierte Sciencefiction-Thriller „District
9“. Die eher unglaubwürdig inszenierte Aufmachung als Dokumentarfilm
ist als solche leicht durchschaubar, der Regisseur schafft es jedoch
– vielleicht gerade durch diese Form von unglaubwürdigem
Dokumentarfilm – die Ängste und Nöte von Menschen wie
auch von Aliens so greifbar echt rüberzubringen, dass der Film
auf seine ganz eigene Art berührt und mit der philosophischen Frage
nach der Menschlichkeit weit mehr bietet als man es vom harmlos erscheinenden
Sciencefiction-Thriller erwarten würde.
Programmation: Monika Hardmeier

Sonntag 3. April
2011 | 19.30 Uhr
Exit
through the gift shop
UK / USA 2009, 87 min
Regie: Banksy
Mit Banksy, Thierry Guetta alias Mister Brainwash, Rhys Ifans (Erzähler),
Debora Guetta, Space Invader, Monsieur André, Zeus Shepard Fairey,
Ron English u.a.
Der englische Streetart-Star Banksy legt erstmals einen Film vor. Das
Doku–Feature von und über den Künstler, den noch niemand
zu Gesicht bekommen hat, war einer der Publikumslieblinge an der Berlinale
2010.
Hauptperson im Film ist nebst Banksy ein selbst ernannter französischer
Dokumentarfilmer aus L.A. namens Thierry Guetta. Seit seiner Jugend
besessen von der Idee, alles und jeden filmen zu müssen, stösst
dieser eines Tages auf die Streetart-Szene und setzte sich in den Kopf,
den geheimnisvollen Banksy aufzuspüren, was er schliesslich auch
schafft. Fortan folgt Thierry mit dessen Erlaubnis Banksy auf Schritt
und Tritt und filmt seine Aktionen. Es gibt jedoch ein Problem: Thierry
entpuppt sich als dilettantischer Regisseur und als noch mieserer Cutter.
Da dreht Banksy kurzerhand den Spiess um, nimmt die Kamera in die Hand
und fordert ihn auf, doch einmal selbst Kunst zu produzieren. Thierry
fackelt nicht lange und beginnt unter dem Namen Mr. Brainwash munter
mit der Produktion eigener Werke – eine Mischung aus frech Geklautem
aus der Kunstwelt und dessen eigenwilliger Verfremdung. Bis zum Schluss
bleibt offen, ob Thierry nur eine Kunstfigur ist, mit der Banksy sich
über die Kommerzialisierung der Streetart-Bewegung und der Kunst
allgemein lustig macht, oder ob es ihn wirklich gibt. Im Film spiegelt
sich Banksy’s Umgang mit seinem plötzlichen und unerhofften
Erfolg im Kunstmarkt. Sein subversives Verwirrspiel macht den Mockumentary
zu einer gelungenen Satire über die Kommerzialisierung des Kunstbetriebes.
Programmübersicht

Sonntag 10. April 2011 | 19:30 Uhr
Drop
Dead Gorgeous
USA 1999, 97 min
Regie: Michael Patrick Jann
Mit Kriestie Alley, Ellen Barkin, Kirsten Dunst
Drop Dead Gorgeous ist kein Film für zarte Gemüter. Der Streifen
inszeniert Mord und Intrigen in einem Kleinstadt-Schönheitswettbewerb
in Minnesota derart gnadenlos, zynisch und rabenschwarz, dass einem
das Lachen im Hals stecken bleibt. Der Film zieht die amerikanische
Provinz, Patriotismus und Puritanismus brachial in den Dreck. In der
Besetzung sind weibliche Stars von Weltrang wie Kriestie Alley, Ellen
Barkin und Kirsten Dunst zu sehen.
Ellen Barkin und Kristie Alley spielen die rivalisierenden Mütter
zweier Kandidatinnen beim „Miss Teen Princess America“ Wettbewerb
in Mount Rose. Alley wohnt im schönsten Haus der Stadt, war selber
einmal Beauty Queen und präsidiert jetzt den Wettbewerb. Barkin
lebt im Wohnwagen und hält permanent eine Zigarette in der einen
und eine Dose Bier in der anderen Hand. Bis zum grossen Finale werden
alle Register gezogen und die Kandidatinnen reduzieren sich wie von
selbst. Obwohl der Film vorgibt, ein Dokumentarfilm zu sein, wird schnell
klar, dass die fiese Parodie vor allem eines versucht; noch boshafter
zu sein als das Leben selbst.
Wen wundert’s also, dass für Becky Leeman – die reiche
und verwöhnte Tochter der ehemaligen Schönheitskönigin
Gladys Leeman, ihrerseits Vizepräsidentin des Waffenvereins der
lutheranischen Schwesternschaft – die Chancen, den Wettbewerb
zu gewinnen, am besten stehen.
Programmübersicht

Sonntag 17. April 2011 | 19:30 Uhr
Sweet
and Lowdown
USA 1999, 95 min
Regie: Woody Allen
Mit Sean Penn, Uma Thurman, Samantha Mathis
„Sweet and Lowdown“
ist Woody Allens Hommage an die Swing-Ära und erzählt das
Leben des fiktiven Jazzgitarristen Emmet Ray, eines Rüpels und
Trinkers, der in seiner Freizeit Ratten auf der städtischen Müllkippe
erschiesst. Doch wenn der begnadete Emmet Ray zur Gitarre greift, lässt
er Frauenherzen schmelzen. Es ist seine Beziehung zur stummen Wäscherin
Hattie, welche die Parabel bildet für Emmet Rays allzu hohle Genialität
und seine eigentliche Beziehungsunfähigkeit. Der selbstverliebte
Musiker bedient sich des Mädchens Hattie ungeachtet ihrer Gefühle.
Der Film ist als Dokumentarfilm inszeniert, welcher den berühmten
Musiker portraitiert. Die Handlung wird öfter unterbrochen mit
Interviews von Zeugen der Jazz-Ära. Teilweise handelt es sich um
wenig bekannte, aber echte Jazzmusiker. Durch diesen dokumentarischen
Stil entsteht ein vielschichtiges und manchmal widersprüchliches
Bild. In einer Schlüsselszene fragt Blanche Ray, woran er beim
Spielen seiner wunderbaren Musik denn eigentlich denke. Der Gitarrist
sagt unumwunden, dass er meistens darüber nachdenkt, wie schlecht
er für seine Musik bezahlt wird. Sean Penn gibt den Macho-Gitarristen
als grundehrlichen und völlig unreflektiert agierenden Menschen
wieder und liefert die überzeugende Darstellung eines selbstverliebten
Rüpels und Frauenhelden, dessen emotionale Ausdrucksmöglichkeiten
jenseits der Musik äusserst beschränkt bleiben, bis er selber
Schmerz und Verlust erfährt.
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Sonntag 24. April 2011 | 19:30 Uhr
District
9
USA 2009, 112 min
Regie: Neill Blomkamp
Mit William Allen Young, Sharito Copley, Jason Cope, Nathalie Boltt,
Sylvaine Strike„
Regisseur Neill Blomkamp
versieht seine filmische Alien-Parabel mit einem kräftigen Schuss
dunkler Melancholie und erzählt die Geschichte mit quasi dokumentarischen
Mitteln. Obwohl es im Film um Ausserirdische geht, hat dieser nichts
vom futuristischen Hightech-Glanz, der Sciencefiction-Filme normalerweise
prägt. Der Stil des Südafrikaners wirkt unmittelbar und beklemmend
und seine Geschichte ist so nah an der Realität, dass die Form
der Parabel schnell in den Hintergrund rückt. Grosse Teile des
Films wurden in realen Slums gedreht und die Ausserirdischen, welche
die Erde erreichen sind weder sagenhafte Retter oder weise Propheten
noch mächtige, den Menschen weit überlegene Eroberer. Ihre
Technik ist zwar derjenigen der Menschen weit voraus, doch die Aliens
kommen als Flüchtlinge auf die Erde und werden in ein abgeschottetes
Camp abgeschoben. Die Hauptfigur spielt Sharlto Copley, dessen grandiose
Wandlung vom gutgläubigen Bürokraten zu einem überlegenen
Kämpfer für eine gerechte Sache überraschend glaubhaft
und ohne falsche Romantik rüberkommt. „District 9“
ist ein teilweise fulminantes Wechselspiel aus pseudodokumentarischem
Nachrichtenstil und subjektiver Kamera. Der Film ist Blomkamps ganz
persönliche Auseinandersetzung mit dem Apartheid-Regime seiner
Kindheit und Jugend. Die Story ist aber auch von den ausländerfeindlichen
Unruhen 2008 inspiriert, als Bewohner der Armenviertel illegale Immigranten
aus schwarzafrikanischen Nachbarländern attackierten. Die brutale,
gewalttätige Ausgrenzung und Ausbeutung von Leben ist das zentrale
Thema dieses Films.
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